VORLÄUFIGES SCHLUSSWORT

So, viel Stoff zu dem Thema. Und wie ist meine Meinung dazu, fragt sich jetzt vielleicht der ein oder andere Leser. Ich bin ziemlich hin und her gerissen. Ich habe da verschiedene Sichtweisen darauf.

Einerseits finde ich es echt ärgerlich, wenn eine Platte, die vor Kurzem erst auf meinem Label Matula Records erschienen ist, schon den Weg ins Internet gefunden hat.

Das kommt eher selten vor, da ich fast nur Vinyl veröffentliche und dass meist ein kleinwenig mehr Aufwand bedeutet, wenn man das digitalisieren will. Man muss zumindest mal seinen Plattenspieler an den Rechner anschließen. Würde ich hauptsächlich CDs veröffentlichen, wäre ich wahrscheinlich stärker davon betroffen.

Bei älteren, ausverkauften Sachen habe ich da weniger Probleme mit. Ich weiß aber auch, dass die Rechnung, jeder Download ist eine verkaufte Platte weniger, absoluter Quatsch ist.

Andererseits kauft nicht jeder, der einen Download geil findet, automatisch den Tonträger dazu. Nett fände ich es trotzdem, wenn Blogger oder Forennutzer die Bands oder mich vor dem Hochladen fragen würden.

Als Teil von Front finde ich zum Beispiel nicht so schlimm, wenn unser Album fleißig heruntergeladen wird. Das zeigt, dass zumindest Interesse an uns besteht. Und wenn sich das in mehr Besuchern auf Konzerten niederschlägt, umso besser. Aber schön wäre es schon, wenn wir mit dem Verkauf unserer Platten die Kosten fürs Aufnehmen wieder reinholen könnten. Und über T-Shirtverkauf kommen jetzt auch keine Unmengen in die Bandkasse, wenn man die für einen korrekten Preis verkauft. Die drucken zu lassen, kostet ebenfalls Geld.

Und der Nutzer Falk Fatal? Der lädt sich fröhlich auf 7inchpunk.com oder ähnlichen
Blogs alte Punk- und Hardcoresingles runter und generell alte Scheiben, an die man nur für teuer Geld kommt. Manchmal lade ich mir auch Sachen herunter, die ich schon als Vinyl im Regal stehen hat und die er gerne auch unterwegs hören würde. Und das war es auch mehr oder weniger, was ich mir herunterlade. Aktuelles Punkzeugs ist da selten mit dabei.

Generell ist mir eine LP mit schickem Cover und hübscher Aufmachung deutlich lieber.

Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen

Und welchen Schluss ziehe ich nun daraus?

Erst einmal einen ganz Banalen: Nämlich den, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen
wird. Downloads werden nicht verschwinden, höchstens durch den freizugänglichen Stream ersetzt – ganz gleich, ob legal oder illegal. Labels und Bands werden sich damit arrangieren müssen.

Ich würde mir aber wünschen, wenn Bands und Labels gefragt werden, bevor jemand etwas hochlädt und zum Download freigibt. Und dass es akzeptiert wird, wenn man etwas dagegen hat. Denn genauso, wie ich mich als Band aus bestimmten Gründen für oder gegen ein Label oder überhaupt ein Label entscheide, fände ich es nicht geil, wenn meine Platten in Foren oder Blogs gepostet werden, in denen zum Beispiel auch rechtsoffener Oi-Scheiß zur Verfügung steht.

Ich weiß, dass sich dieser Wunsch nicht erfüllen wird. Schade eigentlich, dass das in einer Szene, die immer so viel auf Solidarität gibt, nicht möglich sein wird.Das zeigen auch die Antworten der Schrabbel-Punk-Nutzer. Es mag ja stimmen, dass es Bands gibt, die ihre Sachen selbst dort hochladen. Und dann ist das auch super so. Der Großteil der Platten, die man sich dort oder auch woanders saugen kann, stehen zumindest ungefragt dort.

Über die Ansichten, was eine Plattenproduktion kostet, kann man sich streiten. Doch selbst wenn die preiswerteste Möglichkeit gewählt wird, einer muss die Zeche zahlen.

Das erinnert mich ein bißchen an die Diskussionen über Konzerteintritt. Da rafft auch fast niemand derjenigen, die am liebsten nichts zahlen wollen, dass es im Vorfeld einfach Geld gekostet hat, dass zu organisieren und das die Veranstalter verständlicherweise keinen Bock haben, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Also fragt doch einfach, bevor ihr was hochladet. Ich denke, in vielen Fällen wird sich eine Lösung finden.

Downloads anbieten = unsolidarisch?

Das die Beiträge hier nur einen kleinen Teil eines viel größeren Themas behandeln, ist mir auch klar. Dennoch haben mich zunächst die konkreten Auswirkungen auf Labels und Bands interessiert, um damit auf das Thema aufmerksam zu machen. Philosophisch-politische Fragen zum Urheberrecht und Geistigem Eigentum oder konkrete Gesetzesvorhaben, wie das geplante Anti-Pirateterie-Abkommen der
EU, die weit mehr betreffen, als ein paar popelige Tauschbörsen-Nutzer, hätten den
sowieso schon großen Rahmen gesprengt. Dazu vielleicht in der nächsten Ausgabe mehr. Und jetzt kann diskutiert werden.

FALK FATAL

Da mir im Heft leider am Schluss etwas der Platz ausging, konnte ich nicht auf alle Punkte eingehen, besonders auf die Antworten der Schrabbel-Punk-Nutzer. Das werde hier zu gegebener Zeit tun, von daher ist Ganze to be continued…

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Written by Falk Fatal

1 Comment

DOWNLOADING KILLS MUSIC BUT DOES IT KILL PUNK? | Trashrock Blog

[…] VORLÄUFIGES SCHLUSSWORT Es ist kein Geheimnis. Der Musikindustrie geht es schlecht. Die CD-Verkäufe schrumpfen, die Gewinne werden kleiner, den Majors steht das Wasser bis zum Hals. Erst kürzlich ist EMI knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Allein in den vergangenen zehn Jahren sank der Absatz von rund 209,7 Millionen verkaufter CDs um knapp ein Drittel auf rund 145,1 Millionen Stück. Fragt man nach den Gründen für die Misere, bekommt man immer dieselbe Antwort: Das Internet sei Schuld. Und die bösen Nutzer, die sich alles illegal aus dem Netz saugen und dafür keinen Cent bezahlen. Ihr kennt diese Leier. Ich muss gestehen, mir geht das ziemlich am Arsch vorbei. Mich würde es wenig stören, wenn die großen Labels über die Wupper gingen. Für Punk spielt das keine Rolle, ob es EMI gibt oder nicht. Um eine Punkplatte zu veröffentlichen, braucht es kein Majorlabel mehr. DIY lebt. Und trotzdem könnte es damit irgendwann vorbei sein. Denn nicht nur Platten von Lady Gaga, Britney Spears, Eminem oder Motörhead werden über Tauschbörsen oder Rapidshare aus dem Netz gesaugt, auch Alben von Pascow, Knochenfabrik, D.O.A. oder Bildungslücke erfreuen sich großer Beliebtheit. Das Internet ist ein großer Gemischtwarenladen, in dem es jede Platte für umme gibt. Sei es, dass jemand was in seinem Blog hochgeladen hat, dass sich tausende Nutzer in Foren die Alben hin und her schieben und wenn gar nichts mehr geht, das gute alte Soulseek hat noch jede Platte ausfindig gemacht. Wer will bekommt jede Punkplatte irgendwo im Internet als kostenlosen Download. Man muss manchmal nur ein bißchen suchen. Copy kills Music ruft die große Industrie immer. Alles nicht so schlimm, in den 80er Jahren wurden doch auch Alben auf Tape kopiert und hin und hergetauscht, sagt die andere Seite. Stimmt, aber in den 80ern war das Tapetauschen meist auf den Freundeskreis beschränkt. Zwar gab es auch Leute, die richtige Tauschlisten hatten und die verschickten, doch allein der Aufwand, Tapes zu überspielen, in einen Umschlag zu packen und wegzuschicken, was Porto kostete, verhinderte, dass die Tauscherei allzu große Ausmaße annahm. Das Internet dagegen ist global. Der Aufwand geht gegen null. Einfach Bandname bei Google eingeben und Rapidshare dahinter geschrieben und ihr werdet fündig werden. Mit dem Resultat, dass es auch für Punklabels immer schwieriger wird ihre Alben zu verkaufen. Ich glaube nicht, dass das allein an den 36 Eine Plattenproduktion ist teuer. Die Aufnahme muss bezahlt werden, die Platten müssen gepresst werden, die Cover und Einleger gedruckt werden. Da kommt schnell eine vierstellige Summe zusammen. Dafür braucht man heutzutage nicht mehr ins Studio gehen. Das kann man auch im Proberaum mit einem Computer und der richtigen Software machen. Aber den Unterschied hört man schon, ob eine Platte von jemandem mit Ahnung aufgenommen wurde oder vom Kumpel, der die neuste Version von Audacity ausprobieren will. Oder ganz auf Plattenveröffentlichungen verzichten und die Songs nur noch als MP3-Alben vertreiben. Will man das? Ich nicht. Ich will dann doch lieber Vinyl mit Cover und Textblatt. Und wer braucht eigentlich überhaupt Labels? Kann doch jede Band selbst ihre Aufnahmen auf Platten pressen und vertreiben. Oder gleich ganz darauf verzichten und ins Internet stellen. Ja kann man. Klar. Aber gute Labels vertreiben ja nicht nur einfach Musik. Die stehen auch für einen bestimmten Sound, für eine bestimmte Haltung. Es gibt Labels, deren Platten kaufe ich, auch wenn ich die Band nicht kenne. Einfach, weil ich weiß, das Label bringt fast immer geilen Scheiß heraus. Ich fände es schade, wenn diese Labelkultur verschwinden würde. Und ob Internetlabels das ersetzen können? Es wird auf jeden Fall nicht dasselbe sein. Und kein Vinyl. Doch ist das wirklich so? Oder spinne ich mir nur etwas zusammen? Bedrohen illegale Downloads wirklich die kleinen Labels oder profitieren die vielleicht sogar davon? Was sagen die Labelbetreiber dazu? Und wie ist das mit den Bands? Finden die es gut, wenn jemand ihre Songs ins Internet stellt, sie die Downloadhitparaden anführen, dafür vielleicht aber keine Platten mehr verkaufen? Und was sagen die dazu, die sich die Songs und Alben im Netz herunterladen, egal ob erlaubt oder nicht? Ich habe aus diesem Grund Micha von Plastic Bomb Records, Tobi von Twisted Chords, Michel von Wilde Zeiten, Amen 81, Pascow und einige Nutzer aus dem Schrabbelpunk-Forum, in dem fast alle aktuellen Scheiben zum Download bereitstehen, dazu befragt. Und ich bat Mika Reckinnen, der in seinem vorzüglichen Zine Alleiner Threat sich zu dem Thema auch seine Gedanken gemacht hat, seinen „Offenen Brief an Joachim Hiller“ hier noch einmal abdrucken zu dürfen. Ihre Ansichten dazu könnt ihr auf den nächsten Seiten lesen. FALK FATAL Downloads liegt. Die Flut an neuen Platten, die Monat für Monat auf die Menschheit losgelassen wird, spielt da sicher auch eine Rolle. Ich denke aber, dass für viele dieser kostenlos Effekt trotzdem der Grund ist, sich die Sachen zu saugen statt zu kaufen. Passt ja auch wunderbar zu dem antikommerziellen Anspruch, der an Punk in weiten Teilen gestellt wird. Außerdem gelten auch in der Punkwelt Labels oft als Halsabschneider, die sich von ihren Platteneinnahmen ein goldenes Näschen verdienen und davon in Saus und Braus leben. Aber zumindest in Deutschland ist das schlichtweg falsch. Klar gibt es einige größere Labels und Mailorder, die davon leben. Aber reich ist keiner von denen. Mit viel Leidenschaft, die oft Selbstausbeutung gleicht, kommen viele geradeso über die Runden. Und die kleineren Labels können erst recht nicht davon leben. Die machen das aus Liebe zur Musik, um was für die Szene zu tun und manchmal vielleicht auch um sich ein wenig selbst darzustellen. Finanziell geht es nur darum, die Kosten zu decken und ein paar Euro überzuhaben, die in die nächste geile Platte gesteckt werden können. Da bringt es wenig, wenn die Platten die Downloadcharts stürmen und zuhause die Plattenkisten einstauben. Irgendwann lässt man es halt bleiben, wenn man nur noch draufzahlt, und wieder ein Label verschwindet. Und wie ist es mit den Bands? Die könnten davon doch profitieren. Zwar werden ihre Alben vielleicht weniger gekauft, aber sie könnten über das Internet viel mehr Leute erreichen, als mit einer Platte, die vielleicht in 500er oder 1000er Auflage erscheint. Und mit steigender Bekanntheit durchs Internet, kommen mehr Leute zu den Konzerten, wo vielleicht ein paar T-Shirts mehr verkauft werden. Das mag stimmen, wenn man sich anschaut, welches Ausmaß das Merchandise bei manchen Bands angenommen hat. Manche Bands haben ganze Boutiquen mit auf Tour, aber keine CDs oder LPs. Aber ob kleine Bands deshalb wirklich so viel T-Shirts mehr verkaufen? Ich weiß es nicht. Tags: Copy Kills Music, Downloads, Punk, Raubkopieren […]

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