KILLE, KILLE, KILLERSPIELE

Ich kann es wirklich nicht mehr hören. Irgendwo begehen zwei Jugendliche einen grausamen Mord, läuft ein ehemaliger Schüler nach intensiver Planung durch seine ehemalige Schule und schießt alles nieder was ihm vor die Flinte kommt. Erste Untersuchungen ergeben, das sie jeweils Computer spielten, auch die sogenannten Killerspiele, und Gewaltfilme schauten sie sich auch an.

Zum Glück muss man wohl sagen, denn so sind die Schuldigen schnell gefunden: die Killerspiele und die Gewaltfilme, ergo die gesamte Unterhaltungsindustrie. Wenn es nach Klaus Mieling geht, gehört auch bald die Gewaltmusik zum erweiterten Täterkreis. Ich kann diesen Schwachsinn nicht mehr hören.

Killerspiele – Was soll das sein?

Was ist denn bittschön ein Killerspiel genau? Klar, Counter Strike wird immer wieder genannt. Hat das mal jemand von den Herren und Damen, die immer lautstark ein Verbot fordern, gespielt? Klar werden dort virtuelle Menschen getötet, aber eine Anleitung zum Amoklauf ist dieses Spiel nun wirklich nicht. Vielmehr entscheidet Teamwork über Sieg oder Niederlage und kein kaltblütiges metzeln. Egal. Was ist denn mit Super- Mario? Dort werden doch auch Menschenähnlich Figuren getötet. Je mehr man erledigt, desto mehr Punkte gibt es. Ist das nicht ein Anreiz? Je mehr du tötest, desto mehr Erfolg hast Du? Was sind Gewaltfilme? Ist das schon ein Tatort, wo der Herr Kommissar nur unter Anwendung von Gewalt den Mörder zur Strecke bringen kann? Klar, manchmal muss man Gewalt anwenden, um die Bösen zu erledigen. Aber ist dann Wolfenstein 3d ein Killerspiel? Schließlich macht man dort nichts anderes, als Nazis umzubringen? Schwierig.

Mehr Autounfälle als Amokläufe

Und noch schwieriger wird es, wenn man einmal versucht, statistische Zusammenhänge aufzuzeigen. Wie viele Jugendliche sind denn in den letzten, sagen wir fünf Jahren, „Amokgelaufen“? Zehn, vielleicht zwanzig? Mehr sind es jedenfalls nicht gewesen. Wie viele Familiendramen gab es denn in den letzten fünf Jahren? Eine genaue Zahl liegt mir nicht vor, aber es dürften schon mehr sein, als „amoklaufende“ Jugendliche. Und wie viele Autofahrer waren an diesen Familiendramen beteiligt? Eine genaue Zahl liegt mir auch hier nicht vor. Aber sicherlich eine beträchtliche Zahl. Ob es da vielleicht einen statistischen Zusammenhang gibt? Etwa so: Die Wahrscheinlichkeit das ein verheirateter Autofahrer seine Familie umbringt ist um den Faktor x höher, als das ein nichtverheirateter Autofahrer seine Familie umbringt? Und wenn wir schon dabei sind, es passieren wesentlich weniger Unfälle auf der Autobahn bei Tempo 250 als bei Tempo 120. Warum schaffen wir dann das Tempolimit nicht einfach ab? Sollen doch alle 250km/h fahren, dann passieren auch weniger Unfälle.
Warum fordert also niemand, das alle nur noch Tempo 250 fahren? Weil es total hirnrissig ist daraus zu schließen, das die Unfallquote sinkt. Im übrigen geschehen auch weniger Autounfälle mit Alkohol am Steuer, als Unfälle ohne Alkohol am Steuer. Aber lassen wir das.

Killerspieler = Amokläufer?

Und genauso bescheuert ist es, daraus zu schließen, nur weil jemand ein sogenanntes Killerspiel spielt, sei er oder sie ein potentieller „Amokläufer“. Es gibt soviel Menschen die diese Spiele spielen, und die ein völlig friedliches Leben leben und niemals „Amoklaufen“ werden.

Aber das interessiert ja nicht. Ein Verbot zu fordern, ist da ja wesentlich einfacher, als nach den eventuellen wahren Hintergründen zu fragen.
Und vielleicht gibt es auch keinen speziellen Grund. Wer weiß. Es soll auch Menschen geben, die es einfach mal ausprobieren wollen, einen Menschen zu töten, oder die einfach einen abgrundtiefen Hass auf alles und jeden entwickeln. Wer weiß?

Aber hören wir doch mal auf mit der Polemik und wenden uns ganz nüchtern den Tatsachen zu. Fragen wir nach den Gründen. Der Hauptgrund für dieses ständige Amokgelaufe ist doch der, das die Jugend von heute keinen Krieg aktiv mitgemacht oder kennen gelernt hat. Nicht als Flakhelfer, nicht als Wehrmachtssoldat und Stahlgewitter kennt die Jugend von heute doch allerhöchstens aus Ernst Jüngers Erzählungen. Wobei wir den Begriff der Jugend auf das männliche Geschlecht eingrenzen müssen. Brenda Ann Spencer, die am 29. Januar 1979, im Alter von 16 Jahren vor der Grover Cleveland Elementary School in San Diego zwei Personen tötete und neun weitere mit einem halbautomatischen Gewehr, Kaliber 22,verletzte, sei als Ausnahme einmal vernachlässigt (Als Tatmotiv, sagte sie: „I don’t like Mondays. This livens up the day.“ Die Boomtown Rats um Weltverbesserer Bob Geldorf schrieben daraufhin ihren Nummer 1 Hit „I don’t like Mondays). Ansonsten liefen meines Wissens nach, nur männliche Jugendliche Amok. Zumal die Ausnahme Brenda Ann Spencer ja US-Amerikanerin ist und wie wir alle wissen, kann man als US- Amerikaner aktiv an Kriegen teilnehmen. In Deutschland waren es bisher nur Männer. Also zurück zum Krieg.

Das ist also eine rein männliche Domäne. Oder habt ihr Mädchen schon einmal mit Minisoldaten spielen gesehen? Seht ihr! Hätte man Robert Steinhäuser und Sebastian B. schon früh auf in eine Bundeswehr Uniform gesteckt, dann wären diese Taten nie passiert. Da bin ich mir sicher! Wer Krieg erlebt, muss diesen nicht spielen. Nicht zuhause am PC und nicht am nächsten Morgen mit Papas Schrottflinte in der Schule. Und das gleiche lässt sich doch auch für die ganzen Hauptschulen in Problembezirken sagen. Wenn die ganzen pickeligen Gewalttäter in Uniformen stecken würden, dann müssten sie ihre Mitschüler nicht zusammenschlagen und das mit ihren Handykameras filmen. Nein, sie wären dann in Afghanistan, würden dort ein paar Muselmänner foltern und quälen und RTL Explosiv wäre live mit dabei.

Die Lösung liegt doch somit auf der Hand: Jede Hauptschule bekommt ein Rekrutierungsbüro der Bundeswehr und die bisher perspektivlosen Jugendlichen bekommen dadurch plötzlich eine Perspektive. Bei der Bundeswehr können sie ihren Führerschein machen, und nicht nur Klasse 3 oder einen läppischen Mofaführerschein, nein, bei guter Führung, gibt es sogar einen Panzerführerschein! Vor die Wahl gestellt Trickbetrüger, Crackraucher oder strammer Vaterlandsverteidiger zu werden, werden sich natürlich alle für die Vaterlandsverteidigung entscheiden. Ist ja auch mit einem enormen Prestigegewinn verbunden. Wehrmachtsminister Jung muss sich keine Sorgen mehr machen über zuwenig Rekruten. Natürlich muss die so zahlenmäßig erstarkte Truppe auch gefordert werden. Das heißt nichts anderes, als endlich Schluss zu machen mit diesen ganzen humanitären Interventionen. Jetzt wird wieder Krieg geführt! Deutschland wird nicht mehr nur am Hindukusch verteidigt, sondern auch am Uralsee, am Gelben Meer, in Neuschwabenland, in der Sahara und überall sonst, wo unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung verteidigt werden muss.

Und es gibt auch positive Nebeneffekte. Politiker der Union und der FDP müssen nicht mehr darüber lamentieren, das die Unterschicht zu viele Kinder produziert. Die werden einfach verheizt, als Kanonenfutter an der Front, für Volk und Vaterland. Und die ganzen Maiks und Renés aus der Zone müssen sich nicht mehr einer Wehrsportgruppe anschließen um Männlichkeitsrituale zu erfahren, die gehen einfach alle zum Bund.

Wenn die Politik also endlich einmal die richtigen Schlüsse ziehen würde, dann wären die Schüler in Erfurt und Emsdetten nicht umsonst gestorben und neue Amokläufe wird es auch nicht mehr geben. Die Hauptschulen in Problembezirken werden friedlich sein und alles, aber auch alles wird schöner werden, schließlich boomt die Rüstungswirtschaft, und wer nicht an der Front verheizt wird, baut Bomben.

Halten wir es also mit dem alten Nosh: „Einige Menschen in diesem Land sind sehr reich, aber die meisten von euch sind sehr, sehr arm. Und wisst ihr wieso? Weil ihr alle faule Säcke seid! Euer Land braucht Geld. Aber ihr könnt leider nicht genug Geld beschaffen. Also sag ich euch, was wir tun müssen: Wir werden die Krankenhäuser zumachen und den Leuten Arbeit geben und mehr Raketen herstellen!!“

Erschienen im Pankerknacker #777

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Written by Falk Fatal

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