ALTE MÄNNER ROSTEN NICHT

Punkrock eine Jugendkultur? Mitnichten! Die neuen Platten der Adolescents und von Dangerman zeigen, dass auch Herren im gesetzten Alter noch so richtig punken können.

Ich weis ja auch nicht. Aus irgendwelchen Gründen wird Punk immer noch als Jugendkultur bezeichnet. Für so manches Rumpel-Deutschpunk-Konzert mag das ja gelten, aber sonst? Bei manchen Konzerten hier im Rhein-Main-Gebiet gehöre ich mit meinen 32 Jahren deutlich zu den jüngeren Besuchern. Manchmal komme ich mir vor, als hätte ich mich auf eine Ü-40-Party eingeschlichen. Aber gut, alte Männer rosten nicht, singen Kotzreiz, und haben meistens Recht damit.

Alter per se ist ja kein Qualitätsmerkmal – wie Charlie Harper und Knox zeigen. Dem weit über 60-jährigen Charlie Harper zuzusehen, wie er über die Bühne hüpft und seine alten Gassenhauer ins Mikro röhrt, ist eine wahre Freude. Da macht es auch nichts auch, dass die UK Subs seit 30 Jahren keine gute Platte mehr veröffentlicht haben. Sich dagegen heutzutage die Vibrators anzuschauen, kommt einem Trauerspiel gleich – vor allem wegen Sänger und Bandleader Knox. Der wirkte vor ein paar Wochen beim Konzert in der Au wie scheintot. Die Musik klang dementsprechend.

Dass es möglich ist auch im Alter Platten zu veröffentlichen, die nicht nach Classic Rock klingen (wie Social Distortion) oder einfach nur schlecht sind (wie bei vielen anderen),versuchen derzeit The Adolescents und Dangerman mit ihren neuen Alben zu beweisen.

„The Fastest Kid Alive“ heisst das neue Machwerk der Adolescents. Groß vorstellen brauche ich die Band wohl nicht. Ihr erstes, selbstbetiteltes Album von 1981, zählt zu den Punkrock-Klassikern schlechthhin und gilt als stilbildend für viele Bands danach. Danach verschwand die Band immer mal wieder für ein paar Jahre von der Bildfläche. Seit 2001 jedoch touren sie wieder regelmäßig und sind aktiv.

15 Songs enthält „The Fastest Kid Alive“, und jedes Lied klingt unverkennbar nach Adolescents. Unter den Songs sind echt ein paar gute dabei. Die Texte sind sarkastisch bis böse und nehmen den Alltag und die Politik der USA auf die Schippe. „Inspiration“, „One Nation, Under Siege“ oder „Serf City“ sind echte Oberknaller.

Soweit so gut. Einziges Manko: Die Platte ist zu lang und enthält zu viel Durchschnitt. Fünf durchschnittliche Songs weniger wären mehr gewesen. So bleibt ein überdurchschnittliches Album einer Punklegende, mehr leider auch nicht.

Aus deutlich kälteren Gefilden kommt das Debüt-Album von Dangerman daher. Die älteren Herren aus Norwegen sind schon seit Jahren aktiv und spielten zum Teil in Bands wie So Much Hate, Life… But How To Live It? oder Drunk.  Ihre neue Band Dangerman klingt dann auch wie eine Mischung aus den drei genannten: Melodisch, schnell und mit der nötigen Härte. Dazu hat der Sänger ein angenehm raues Organ, das trotz hohem Tempo singt und nicht brüllt oder grunzt.


the code

DANGER!MAN | Myspace Music Videos

Das hier vier Herren jenseits der 40 zu hören sind, merkt man mit keinem Ton auf „the blame game“. Im Gegenteil. Frisch und ungestüm klingt das bisweilen. Und wer die Norweger neulich freitagabends beim Au-Fest mit selbstgebastelten Tigerfischen auf dem Kopf gesehen hat, weiß, dass das Quintett sich mit Leib und Seele  dieser Szene verschrieben hat.

Dangerman gefallen durch und durch.“The blame game“ ist eine tolle Platte und im direkten Vergleich mit den Adolescents haben die Norweger eindeutig die Nase vorn!

„The Blame Game“ ist bei Boss Tuneage Records erschienen.

„The Fastest Kid Alive“ ist bei Concrete Jungle Records erschienen.

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Written by Falk Fatal

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