„PUNK IST ARSCHLECKEN UND RASUR“

Punk, was ist das? Musik, Einstellung, Trallalla? Die Ärzte singen, Punk sei Arschlecken und Rasur. Bei Hammerhead heißt das „Alles scheißegal und sein Ding machen“ und wortwörtlich überseetzt Drck, Abschaum oder Müll. Und wahrscheinlich hat jeder Leser hier noch eine weitere, eigene Definition und Meinung dazu. So vielfältig wie die Definitionen, was Punk sein soll, so vielfältig sind auch die Stilrichtungen, die Punkrock in den vergangenen 40 Jahren hervorgebracht hat. Einen kleinen Einblick in die Punkrock-Vielfalt geben drei neuen Platten, die Concrete Jungle Records jüngst veröffentlicht hat.
Beginnen wir mit den Modern Pets, die mit Abstand jüngste Band des Veröffentlichungsreigens, die musikalisch aber dem klassischen Punk am nächsten ist. In Sachen 77er Punk sind sie derzeit wohl die beliebteste und emsigste Band hierzulande. Rund 70 Konzerte pro Jahr sind eine stolze Zahl.

Nach drei ausverkauften 7“s legen sie jetzt ihr Debüt-Album vor. Hektisch und rotzig geht es dort meist zu. Eine leicht poppigen Note darf ebenfalls nicht fehlen.

Hat was von Tatort Toilet kippen mit den Hatepinks und den alten The Damned eine Buddel Schnaps. Gefällt mir sehr gut. Die CD enthält neben dem Album noch die ausverkauften ersten drei Singles. Die Vinyl-Version hat nur die neuen Songs. Tolle Scheibe. Bin mal gespannt, wo die Reise für die modernen Tiere noch hingeht.

Musikalisch aus einer ähnlichen Zeit stammen Total Chaos. Die Stachelpunx aus Pomona Valley in Kalifornien brauche ich wohl nicht vorzustellen. Seit nunmehr 22 Jahren treibt die Band ihr Unwesen.

Ihr neues Album knüpft routiniert an ihre letzten Veröffentlichungen an. Abwechselungsreicher HC-Punk, der ab und an auch vor einer langsameren Taktzahl nicht zurückschreckt. Gefällt mir alles in allem sogar deutlich besser als viele der älteren Aufnahmen, wo nur stumpf Geschwindigkeit gebolzt wurde. Von daher Daumen hoch für „Batterd and Smashed“ von Total Chaos.

Die mit Abstand schwächste Platte legen die Turbo ACs vor. Mix neues bei den Pomade-im-Haar tragenden Jungs aus New York. Auf dem Cover von „Kill Everyone“ gibt wieder eine knapp bekleidete Frau und heisser Schlitten – wie auf bisher fast jedem Album der Band. Ich glaube die einzige Platte ohne Girl und Karre war die Picture-10.

Musikalisch verspricht der Promozettel treibenden roughen Punkrock. Doch davon ist fast nichts zu hören. Erst gegen Ende des 17 Song langen Albums geben die Jungs ein ordentlich Gas. Ansonsten klingt das alles zu uninspiriert. Glattproduziert und effektüberladen ohne große Ideen.

Rockmusik, die auf die großen Stadion- und Festivalbühnen schielt, aber vom angekündigten Punk’n’Roll die meiste Zeit meilenweit entfernt ist. Für mich sind die Turbo Acs immer noch eine der überbewertesten Bands überhaupt. Keine Ahnung, warum alle Welt die geil findet.

Alle drei Alben sind bei Concrete Jungle Records erschienen.

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Written by Falk Fatal

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