RADARE – HYRULE CD/LP

Zwei Songs, eine halbe Stunde Spielzeit, komplett Instrumental: Radare liefern mit „Hyrule“ großes Kino ab.

Draußen liegt der Raureif auf den kargen Feldern. In einiger Entfernung zeichnet sich im Dämmerlicht des frühen Märzmorgens eine Kapelle ab und eine Ansammlung Häuser ab. Ein nackter Baum steht einsam und gebückt davor in dieser Szenerie. Und dann rauscht dieses Bild wieder an mir vorbei und die Deutsche Bahn hat mich meinem Ziel einige Kilometer näher gebracht. Ein Bach plätschert unter einer Brücke hervor, kleine Eisklumpen treiben dahin, vom grauen Hügel herab. Der Nebel steigt langsam empor. Die Morgenröte kriecht gemächlich hinter den Hügeln hervor. Ein schwaches Blau färbt den Himmel. Und ich frage mich, was macht eigentlich Laura Palmer um diese Zeit?

Meine Ohrstöpsel (Earplugs heißt das neudeutsch, oder?) sind tief vergraben in der Ohrmuschel und ich genieße diese schöne, getragene, leicht melancholische Instrumentalmusik, die Radare auf ihrem neuen Album „Hyrule“ präsentieren. Zwei Songs, jeweils knapp eine Viertelstunde lang, die den Geist zum phantasieren und assoziieren einladen. Ich bin gefesselt von diesen Songs, jedes Mal, wenn ich sie höre.

Das ich erst jetzt eine Rezension darüber verfasse, liegt ausschließlich an meiner Trägheit. Sorry, Jungs. Diese Platte ist groß. Irgendwo habe ich gelesen, dass sei Postrock. Mag sein. Ich finde diese Beschreibung eher irreführend. Die Band spielt zwar in der klassischen Rockformation, doch die Stücke sind richtige Kompostionen, mehr an der klassischen Musik orientiert, als am Strophe-Refrain-Strophe-Schema.

Mit „Filth“, dem ersten Song des Albums, assoziiere ich Twin Peaks, keine Ahnung wieso, wahrscheinlich, weil ich mir neulich mal wieder die erste Staffel reingezogen habe. Der zweite Song, „Zur stillen Vernunft“, weißt dann eine gewisse Nähe zu Ennio Morricones Italo-Western-Soundtracks. Dürre, dreckige Typen, die vom Stuhl des Barbiers aufspringen, noch den Rasierschaum im Gesicht und dann auf die Main-Street schlurfen, um sich Gleisenden Sonnenlicht dem Duell stellen. Ganz großes (Kopf-)Kino, was die Jungs von Radare mit Hyrule abliefern!

„Hyrule“ ist bei Shark Men Records erschienen

Written by Falk Fatal

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