HOT WATER MUSIC – Exister CD/LP

Nach dem Split kommt das Comeback. Hot Water Music sind nicht die Ersten, die so verfahren sind. Grund genug ihr neues Album „Exister“ einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.

Was soll ich schreiben über die neue Platte einer Band, deren ersten Singles und Alben ich liebe, deren Shows mit zu den besten Konzerterlebnissen zählen, die ich in meinem Leben erlebt habe und deren letzten Alben immer schlechter wurden, die sich irgendwann auflöste und nun, nach ein paar Jahren Auszeit, mit einem neuen Longplayer wieder am Start ist? Schwierig, schwierig…

Als Hot Water Music irgendwann Mitte des letzten Jahrzehnts ihre Auflösung bekanntgaben, war mir das zu diesem Zeitpunkt schon relativ egal. Ihre damaligen Platten klangen mehr nach Stadionrock und U2 statt nach dem Emocore der frühen Jahre. Chuck Ragan machte sich danach selbständig, tourte Solo durch die Welt, sammelte dadurch viele neue Fans (u.a. mich) und trug wahrscheinlich nicht unwesentlich dazu bei, dass heutzutage fast jeder Sänger einer amerikanischen Punkband irgendwann ein Soloalbum aufnimmt und dann mit seiner Wanderklampfe durch die Lande zieht (dafür sollte man ihn eigentlich bestrafen). Der Rest der Band tourte danach als The Draft deutlich erfolgloser durch die Welt als Kollege Ragan und jetzt sind sie wieder vereint als Hot Water Music mit neuer Platte am Start. „Exister“ heißt das Teil und die gute Nachricht: nach U2 klingt das nicht. Zum Glück!

Der Opener „Mainline“ ist gleich ein guter Song, der sich auch auf der „No Division“ gut gemacht hätte. Treibend, hymnisch, raue Vocals – all das, was ich an Hot Water Music so liebe. „Boy, you’re gonna hurt someone“ ist dann etwas vertrackter, aber auch gut. „State of Grace“ ruhiger, getragener. „Drown in it“ fährt dieselbe Schiene. Und in diesem Schema geht es weiter. Treibende, schnellere Songs reichen sich die Hand mit eher ruhigeren Nummern. Gute Songs, ohne Frage, aber ohne den Rotz, den Schmutz der alten Tage. Das klingt alles so sauber und glatt poliert. Und so dauert es bis zum zehnten Song, bis mich ein Lied so richtig packt. „Pledge Wore Thin“ setzt sich gleich beim ersten Hören fest. Macht Spaß. Die Gitarre abgehackt, die Refrains hymnisch. Perfekt, um beim Konzert die Faust in die Höhe zu strecken und dann eine halbe Flasche Bier zu verspritzen. „No End Left In Sight“, der Song danach, ist dann eine waschechte Ballade und gefällt auch. Bleibt ebenfalls hängen. „The Traps“ ist dann wieder ein treibender, hymnischer Punksong. Gegen Ende steigern sich Hot Water Music deutlich. „Paid in Full“ bildet dann der intensive, gute Abschluss einer Platte, von der ich mir mehr gewünscht (oder erhofft) habe, aber immerhin mehr bekommen habe, als erwartet und die mich trotzdem unbefriedigt zurücklässt. Hot Water Music können es immer noch, keine Frage. Aber sie zeigen es auf „Exister“ leider nur ansatzweise.

„Exister“ ist bei Rise Records erschienen.

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Written by Falk Fatal

5 Comments

Mika

Hm … „dieses Review war wenig hilfreich“ ;-). Komme wohl doch nicht herum, mir das Ding im Plattenladen meines Vertrauens zu erstehen, habe aber ähnliche Magenschmerzen bei dem Gedanken daran. Die „No Division“ ist nun mal ein Meilenstein und die „what’s new what’s next“ (oder wie die hieß) ein totaler Griff ins Klo. Bin also mal gespannt …

FF

hör dir die Platte vorher an. Ich weiß nicht, ob ich mir die Platte kaufen würde. Sie ist deutlich besser als die letzten beiden Alben, aber auch deutlich schlechter als die ‚No Division‘ oder die Split mit Leatherface.

Mika

Tja, doch beim Yardsale von Green Hell blind (oder taub) zugeschlagen. Vinyl sieht großartig aus, Aufmachung okay, Musik … erste Song ganz gut, aber dann … herrje, da werde ich noch einige Anläufe brauchen. Jemand meinte sogar, „klingt wie Nickelback“, was mich tatsächlich gekränkt hat. Wer will schon eine Nickelback Platte im Regal stehen haben???
Vielleicht nehme ich sie auch als Wertanlage und verkaufe sie auf Ebay in zwei Jahren an irgendwelche Die-Hard-Fans. Bin nur froh, dass ich mir für 20 € kein Ticket für die Show in Dortmund gekauft habe …

FF

Nickelback? Das ist hart. Aber ich hatte dich ja gewarnt. Aber als Wertanlage ist die Platte bestimmt prima.

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