TURBOSTAAT – Stadt der Angst CD/LP

Bild: Turbostaat

Hin und wieder gibt es auch positive Überraschungen. Stadt der Angst ist so eine. Das neue Album von Turbostaat ist richtig gut. Erwartet hatte ich das nicht.

Ich weiß, dass klingt jetzt komisch. Aber eine der Konstanten in meinem Leben sind Turbostaat. Nehme ich noch die Vorgängerband Exil mit hinzu, begleiten mich die Exil-Husumer mein halbes Leben. Ich weiß noch, wie mich damals die Flamingo weggelassen hat. Ich hörte die Platte monatelang in Heavy Rotation. Auch der Nachfolger Schwan haute mich um. So wie mir, ging es nicht wenigen. Die Konzerte der Band wurden mit der Zeit immer voller und größer. Irgendwann war klar, dass die Band den AJZ-Kosmos, in dem sie sich anfänglich bewegte, irgendwann verlassen würde und schließlich auch verließ. Spätestens nach dem Wechsel von Schiffen zu einem Ablegerlabel von Warner war die Band der kleinen Punkrockwelt entwachsen und im Alternativebereich angelangt. Der Musik tat das keinen Abbruch. Ihr erstes Majoralbum Vormann Leiss war musikalisch immer noch ein Brett. Etwas rockiger, aber immer noch kantig und sperrig. Wo andere Bands wie Muff Potter etwa, versuchten poppiger zu werden und schließlich wie ein Tomteabklatsch klangen, blieben Turbostaat sich treu. Die Texte immer noch teils schwer kryptisch und mit jeder Menge Raum für Interpretationen und voller in Melancholie gepackter Wut.

Bild: Stadt der AngstDoch irgendwie erkaltete die Liebe ein wenig. Woran das genau lag, kann ich nicht erklären. Vielleicht war das dem typischen Punkreflex geschuldet, wenn etwas zu groß und bekannt wird, dann suche ich mir was Neues. Tatsache ist jedenfalls, das letzte Album Das Island Manöver haute mich nicht sonderlich vom Hocker. Woran das lag, weiß ich nicht. Sicher, das war ok und für eine Majorrockband immer noch super und eigenständig, aber es packte mich nicht. Nach ein paar Mal hören, verschwand es im Plattenregal und steht doch noch immer, leicht eingestaubt.

So war ich auch etwas skeptisch, als schließlich Stadt der Angst in meinem Briefkasten lag.

Die Skepsis machte dann schnell Platz für die Überraschung und Freude über ein richtig gutes Album. Turbostaat sind immer noch kantig und laut, melancholisch und wütend. Die Texte wirken oftmals immer noch wie eine Assoziationskette, deren Sinn sich nur schwer erschließt. Aber auf Stadt der Angst sind Turbostaat auch deutlich direkter als auf den Vorgängern. Nehmen wir “Die Pestperle”, die in Gestalt von Frei.Wild den Rechtsruck im Deutschrock thematisiert („Freie Wilde in euren Hallen. Unterm Mantel die alte Idee“). Oder „Sohnemann Heinz“ das sich gegen den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr  positioniert. Und auf „Psychoreal“ frönen Turbostaat plötzlich dem Deutschpunk.

Turbostaat melden sich eindrucksvoll mit einem Album zurück, dass ich so der Band nicht mehr zugetraut hätte – ohne Tiefen, dafür mit vielen tollen Songs. Schön, dass es hin und wieder auch positive Überraschungen gibt.

Stadt der Angst ist bei Clouds Hill erschienen

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Written by Falk Fatal

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