BARB WIRE DOLLS – Slit LP/CD

Bild: Barb Wire Dolls

Bild: Suzy Moon

Den Barb Wire Dolls eilt ein imposanter Ruf. Um nicht weniger als das beste Punkrock-Album der vergangenen 20 Jahre soll es sich bei ihrer Debütplatte „Slit“ handeln. Berechtigter Hype oder nur großes Marketing-Tamtam?  

Das sind sie also, die Retter des Punkrocks mit dem angeblich besten Album der vergangenen zwei Jahrzehnten. Das neue Gesicht des Punkrocks, das alles verändern wird und so wichtig werden wird, wie die Sex Pistols. Das zumindest schreibt die US-amerikanische Musikpresse über die Barb Wire Dolls. Die Hypemaschine läuft auf Hochtouren. Aber gleich vorneweg: Die drei Griechen, die ihr Glück in Los Angeles gesucht und zumindest musikalisch gefunden haben, sind natürlich nicht die Retter des Punkrocks. Punk musste nie gerettet werden, war nie tot. Vielleicht lag er mal am Beatmungsgerät und auf der Intensivstation. Davon hat er sich aber ganz gut erholt und nur weil die Musikpresse davon nichts mitbekommt, heißt das nicht, das es nicht so ist. Wer sich mit Punk beschäftigt, weiß das. Doch Schluss damit. Für die Presse kann die Band nichts. Sie wird diesen Erwartungen auch nicht gerecht.

Nichtsdestotrotz ist „Slit“ ein klasse Album. Knochentrocken, rockig, ätzend, angepisst. Manchmal erinnernd an L7, manchmal an die Dictators, manchmal an Nirvana zu Bleach-Zeiten. Das ist meist großartig gespielt, hat Power und macht Spaß zu hören. Mir gefällt die Platte richtig gut. Die Aufnahme scheint ohne Overdubs und sonstige Sperenzien auszukommen (zumindest klingt es so, als hätte Produzent Steve Albini einfach ein teures Mikro in den Proberaum gehängt und Record gedrückt).

Songs wie „Revolution“, „World on Fire“ oder „Walking Dead“ knallen auch gut. Aber das großartige Feuer, das medial versucht wird zu entzünden, fängt bei mir nicht so recht Lunte. „Slit“ hat nichts Neues, ist nicht einzigartig. Punkrock mit CBGB-Charme, mit einer Sängerin, die röhrt, kreischt, schreit, dabei eine gute Figur macht und rein äußerlich an die junge Debbie Harry erinnert. Live ist das Trio bestimmt der Hammer.

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“Slit” ist eine gute Platte, ohne Frage, aber halt doch nur ein etwas grungiger Aufguss von Altbekanntem. Vielleicht täte der Band etwas weniger Hype gut, denn die damit geschürten Erwartungen kann sie nicht erfüllen. Sollte sie auch nicht. Don’t believe the hype, just enjoy the music. Denn die ist gut. Ein Album zum Rocker bleiben.

„Slit“ ist bei Wolverine Records erschienen

Written by Falk Fatal

3 Comments

FF

Ja, sind nach Los Angeles übergesiedelt. Und seitdem hypt die amerikanische Musikpresse die Band als das nächste große Punkrockding. Ziemlich übertrieben. Ich finde die Platte trotzdem gut und in einem kleinen Laden macht das live sicher auch Spaß. Die gibt es auch noch nicht so lange. Das hier ist ihr erstes Album.

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