PROUD TO BE PUNK #18

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Die neue Ausgabe des Proud to be Punk ist klasse geworden. Viele Informationen gut lesbar verpackt – das solltet ihr euch nicht entgehen lassen.

Als ich den Jan kennenlernte, schrieb man sich noch Briefe und telefonierte mit Festnetztelefonen. Das meiner Eltern hatte sogar noch eine Wählscheibe, als mich Jan irgendwann Ende der 1990er Jahre anrief und um zwei Lieder meiner damaligen Band für seinen ersten Tapesampler bat. Danach blieben wir einige Zeit im losen Kontakt, tauschten Tapes und irgendwann auch unsere Zines. Doch mein Interesse am Proud to be Punk erlosch nach einigen Nummern.

ptpIch empfand es oft zu sehr mit erhobenem Zeigefinger geschrieben. Und Jan war zu der Zeit der Synonymitis erlegen. Bloß nie ein Substantiv zweimal in einem Text verwenden war damals wohl Jans Motto. So wurde das Auto dann die Blechkutsche, die Stahldroschke oder zum fahrbaren Untersatz, die Brille zum Drahtgestell oder Nasenfahrrad. Auf Dauer wurde mir das zu anstrengend.

Ich weiß gar nicht, wie viele Ausgaben ich deshalb verpasst habe. Aber schön zu sehen, dass Jan immer noch sein Fanzine macht. Mittlerweile 18 Ausgaben sind es. Und mit den Jahren hat sich das Proud to be Punk zum vielleicht bekanntesten Anarchopunkzine Deutschlands gemausert. Inhaltlich ist sich Jan also treu geblieben. Der hohe politische Anspruch und die klare Abgrenzung gegen alles was Grauzone oder rechts ist, ist geblieben (allerdings ohne den permanent erhobenen Zeigefinger). In Sachsen, wo in manchen Regionen immer noch der tiefbraune Mob marschiert, bedeutet das eindeutige Bekenntnis und der Aktivismus gegen Rechts noch einmal etwas anderes als in ruhigeren Gegenden. Dort kann das schnell zu einer Gefahr für Leib und Leben werden.

So verwundert es auch nicht, dass der Schwerpunkt der vorliegende 18. Ausgabe des Proud to be Punk eine Bildungsreise an verschiedene Gedenkorte der nationalsozialistischen Judenvernichtung ist. Sehr schön verbindet Jan hier historische Fakten mit seinen eigenen Gefühlen und den Erlebnissen auf der Reise. Toller Artikel! Daneben gibt es Interviews mit dem Folksänger Hisztory, mit Heini vom Overbred Society Fanzine und dem Hip Hopper Boykott, die alle durch viel Tiefgang zu gefallen wissen. Außerdem gibt es noch Berichte über den Film “Blut muss fließen”, das ehemals besetzte Töpfe und Söhne Areal in Erfurt, das Crimething Kollektiv sowie einige weitere Erlebnisberichte und viele, viele Reviews. Alles sehr informativ und mittlerweile auch gut lesbar, da Jan mit Synonymen deutlich sparsamer umgeht als noch zu anfangs.

Insgesamt also eine sehr gelungene, sehr informative und lesenswerte Ausgabe des Proud to be Punk. Es wird nicht meine letzte bleiben.

Das Heft bekommt ihr bei gut sortierten Mailordern oder direkt bei Jan: jan.sobe@t-online.de

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Written by Falk Fatal

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