FRANK NIHIL – Essay oder stirb

franknihil KopieFrank Nihil ist ein junger Autor, der mit „Essay oder stirb“ sein erstes Buch mit Gedichten und kurzen Texten vorgelegt hat. Der Bukowski-Sound ist dabei unüberhörbar. 

Frank Nihil kommt aus Karlsruhe, ist Mitte 30 und schreibt seit zwei Jahren Texte für Karlsruher Stadt- und Literaturmagazine. Jetzt hat er seine 49 besten Texte gesammelt in einem Taschenbuch veröffentlicht, das durch eine hübsche Aufmachung gefällt. Die Texte, die Nihil hier gesammelt hat, sind meist kurze Gedichte und Skizzen. Längere Textformen wie Kurzgeschichten oder Essays, wie der Titel suggerieren mag, fehlen hier vollkommen. Genau darin liegt die Stärke der Texte. Der Leser bekommt Nihils Gedanken unvermittelt und ungefiltert präsentiert. Inhaltlich dreht es sich meist um die Monotonie des Jobs, den Alkohol, die Dummheit der Menschen und den Selbstzweifeln des Autors. Und bei jedem Wort, bei jeder Zeile höre ich den Sound von Bukowski. Wie so viele Autoren vor ihm (auch ich gehörte dazu), versucht sich Nihil in seinen Texten als eine Art Wiedergänger von Hank Chinaski zu inszenieren. Das gelingt ihm teilweise gut. Seine schnörkellose, harte Sprache gefällt mir gut.

franknihilAber leider reicht allein die Sprache nicht aus, um dem schmalen Bändchen ein Ehrenplatz in meinem Bücherregal zu sichern. Viel zu oft kreisen die Texte um die Schreibblockaden des Autors und die Frage, mit was er die Seiten füllen soll. Für einen Autor sind das existenzielle Fragen, für den Leser ist das auch Mal interessant, aber nicht in solch geballter Häufung. Den anderen Kritikpunkt, den ich an „Essay oder stirb“ habe: Nihil gibt nichts von sich Preis. Da wird mal angedeutet, dass er früher in Bands gespielt hat. Mich als Leser würde interessieren, in welchen Bands er gespielt hat. Welche Musik seine Bands fabrizierten und welche Rolle er innehatte in der Band. Das gilt auch für seinen Job. Man erfährt nicht, was er arbeitet und was er dort macht, außer das Meiste blöd zu finden. Alles bleibt im Ungefähren, im Unkonkreten und dadurch fehlt es Nihils Texten an Substanz. Dabei müsste er nicht einmal den echten Namen seiner Band oder seiner Firma nennen, falls Nihil nicht will, dass Rückschlüsse auf sein Privatleben gezogen werden oder dass jemand aus seiner Firma seine Gedanken erfährt. Es handelt sich hier um Dichtung und der Autor hat alles Recht der Welt, das Autobiografische mit seiner Fantasie anzureichern oder abzuändern. Leider macht Nihil von seinem Recht nicht Gebrauch und raubt seinen Texten die Chance zu überraschen und begeistern.

Darauf sollte er künftig achten, es wird seinen Texten gut tun. Denn schreiben kann er und seine eher pessimistische und misanthropische Weltsicht, kann ich teilen. Ich bin mir also sicher, dass wir es hier mit einem Autor zu tun haben, der seinen Zenit noch lange nicht erreicht hat.

„Essay oder Stirb“ ist bei allen gängigen Onlinebuchhandlungen oder beim Autor selbst erhältlich

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Written by Falk Fatal

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