MONKEEMAN – Lo-Fi against Low Lifes LP

Bild: Jongebloed and Heiko Krebs

Bild: Jongebloed and Heiko Krebs

Monkeeman haben kräftig die britische Popgeschichte studiert und mit “Lo-Fi against Low Lifes” ein Album veröffentlicht, das jedem Freund des Britpop Freudetränen in die Augen treiben dürfte.

Zunächst einmal liegt hier keine kleine Namensverwirrung vor. Eigentlich handelt es sich hier um vier Monkeemen und nicht um einen Monkeeman. Und von den Monkeemen tritt auch niemand im Affenkostüm auf, so wie ich mir das im kindlichen Gemüt zunächst ausgemalt hatte, als ich den Namen des Quartetts das erste Mal las. Stattdessen gibt es hier vier gut gekleidete Herren mittleren Alters von denen einer Ralf Lübke (nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen Leichtathleten) ist. Früher war er wohl mal Gitarrist bei Rosenstolz. Danach hat er sich dann entschieden, gute Musik zu machen und unter dem Namen Monkeeman in den Jahren 2005, 2007 und 2009 schon drei Alben veröffentlicht, bevor er sich eine Auszeit nahm, nach Belfast ging und dort drei Mitstreiter für die neuen Monkeeman suchte. Jetzt ist er mit “Lo-Fi against Low Lifes”, seinem vierten Album zurück. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass die vorherigen Alben alle an mir vorbeigegangen sind, ich betrete sozusagen Neuland, wie kürzlich die Kanzlerin, als sie dieses neue Ding, das Internet, für sich entdeckt hat. Aber das ist ein anderes Thema. Kommen wir wieder zurück Monkeeman und ihrer neuen Platte.

Soundtechnisch sind Monkeeman tief in die britische Popgeschichte eingetaucht und es gibt hier Britpop mit Weller’schem Modappeal und Arbeiterklasseethos zu hören. Sehr geschickt bedient sich Lübke dabei an dem reichen Fundus der britischen Popgeschichte, denn es gibt immer wieder kleine Versatzstücke zu hören, die an andere Songs erinnern, ohne dass sie direkt kopiert wären. Das ist mal mitreißend wie beim Auftakt “Pressure”, der mich vom Gitarrenspiel ein wenig an Radio 4’s “Enemies like this” erinnert. Auch “Ordinary People” hat diese Postpunk-Note, die mir gut gefällt. Die Strophe von “Pretty Fool” wiederum hat irgendetwas von Sting’s “Englishman in New York”, aber fragt mich nicht warum, mir ausgerechnet dieser Song beim Hören in Erinnerung  kommt. Und “The Great Escape” ist einfach ein wunderschöner Powerpopsong, der so auch von The Buzzcocks oder The Undertones stammen könnte. Schön ist auch “Dropping Bombs on the Parlament”, das mit seinem funkigen Riff und den Bäsern gefällt.

Dass ist alles sehr melodisch und harmonisch, mir teilweise ein bisschen zu viel, wie zum Beispiel bei “If the Music was over”, dass im musikalischen Zuckerguss ertrinkt. Ein bisschen mehr Disharmonie oder Rotz wäre an der einen oder anderen Stelle sicher nicht verkehrt gewesen.

Aber das ist insgesamt Jammern auf hohem Niveau, denn alle, die gerne mal Musik hören, die mehr zu bieten hat als Uffta-Uffta-Drums, schrabbelige Gitarren und gröhlendem Gesang, werden hier gut bedient. Ein schönes, kurzweiliges Album für die eher ruhigen Stunden. Und wer gerne Parkas trägt und Vespa fährt, braucht das Album sowieso.

“Lo-Fi against Low Lifes” ist bei Rookie Records erschienen

Written by Falk Fatal

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