FALK FATAL WAR AUS, Oktober 2014

bonaparteWas wären Fazines ohne Konzertberichte? Eben. Mein Konzerttagebuch für Oktober. 

Starten sollte der Konzert-Oktober eigentlich am 2. Oktober mit den Kassierern und Knochenfabrik im Schlachthof Wiesbaden. Da ich die Tage davor allerdings mit einer starken Erkältung zu kämpfen hatte und wir mit FRONT die beiden Tage danach Auftritte hatten, siegte die Vernunft und ich blieb zuhause. Einerseits schade, da das Konzert vor allem wegen dem Publikum sicher für etliche Lacher gut gewesen wäre, andererseits gut, da ich tags drauf halbwegs erholt mit meinen Bandkumpanen die Reise nach Stadthagen antreten konnte. Die Fahrt war relativ ereignislos, das Navi lotste uns ewig über Landstraßen durch die Pampa. Erwähnenswert war nur der Pinkelstopp an einem abgeernteten Maisfeld, das eine Einheimische dazu veranlasste uns mit “Ihr Dreckschweine” zu beschimpfen. Raue Sitten sind das! Stadthagen selbst wirkt wie ein verschlafenes Nest. Das zeigte sich auch beim Konzert. Mit Chester Park aus Hannover und Plastic Propaganda hatten noch zwei weitere brauchbare Bands den Weg in die Provinz gefunden. Damit waren die Bands zahlenmäßig in etwa so stark vertreten wie das sehr junge Publikum. Ein netter Abend war es trotzdem und da die Feierei nicht so wild ausfiel, konnte es am nächsten Tag zeitig nach Flensburg weitergehen.

Dort angekommen, suchten wir uns im Hafen einen Ausflugsdampfer, buchten die große Tour nach Glücksburg und zurück und verbrachten die nächsten eineinhalb Stunden bei strahlendem Sonnenschein und genügend Sekt auf der Ostsee.

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Monozid in der Senffabrik Flensburg

Irgendwann ging es dann zur Senffabrik. Um 18 Uhr sollten wir da sein, eine halbe Stunde später waren wir es. Allerdings immer noch zu früh. Die Bewohner der Senffabrik, einem tollen Hausprojekt mitten in der Flensburger Innenstadt, wurden da erst langsam wach. Der vorherige Abend des Herbstfests muss wohl ziemlich exzessiv gewesen sein. Stunden später ging es dann los. Wir spielten einen okayen Auftritt, der aber sicher besser hätte sein können. Das sahen auch die Besucher, die meist nur müde mit dem Fuß wippten. Das scheint in Flensburg allerdings gut in Mode zu sein, denn bei den anderen Bands waren die Reaktionen ähnlich verhalten und das obwohl mit Monozid und C3I noch richtig geile Bands am Start waren. Weniger geil war dann die Rückfahrt, die elf Stunden dauerte – ab Hamburg nur Baustellen und Stau. Bis Frankfurt. Zum Kotzen! Das sind die Momente, in denen ich mir wünsche, das Beamen wäre schon erfunden.

Eine Woche später lud dann die Band mit dem wahlweise (zutreffendes bitte ankreuzen) genialsten [ ] oder dümmsten [ ] Bandnamen der Welt, Mann kackt sich in die Hose, in der Kulturkneipe Sabot zum Tanz auf. Mit im Gepäck hatten sie ihre Labelpartner von den Sad Neutrino Bitches und die Local Heroes von Kick it. Mann kackt sich in die Hose begannen, wirkten noch etwas verkatert, machten ihre Sache aber gut. Das fand auch das leider eher spärlich anwesende Publikum. Anschließend dann Kick it aus Gießen, Wiesbaden, Frankfurt und was weiß ich woher noch. Das Quartett wird immer besser. Vor einiger Zeit haben die ihre erste 7” veröffentlicht. Die ist klasse. Wer auf hibbeligen 77er-Punk steht, sollte sich das Teil schnellstmöglich zulegen. Bei ihren neuen Songs glaubte ich einen leichten Wipers- oder – da ja gerne vergessen wird, woher das alles kommt – von mir aus auch Portland-Touch herauszuhören. Auf jeden Fall sehr gelungen. Irgendwie gar nicht mein Fall waren die Sad Neutrino Bitches, die allerdings für den Abend ihren Bassisten zuhause gelassen hatten. Vielleicht lag es daran. Alles in allem aber ein netter Abend, dem allerdings einige Zuschauer mehr gut getan hätten.

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Bonaparte im Schlachthof Wiesbaden am 13.10.2014

Konzerte an einem Montagabend finde ich generell blöd. Selbst wenn das Wochenende total entspannt war, hänge ich montagabends in den Seilen. Egal, was ich zuvor gemacht habe. Ist so. Deshalb versuche Konzerte an einem Montagabend zu meiden. Dieses Mal jedoch nicht. Bonaparte sollten in der Schlachthof-Halle spielen. Deren erstes Album, fand ich damals gut. Und da wir auf der Gästeliste standen, störte uns auch der Preis nicht. Die Vorband, der US-Rapper Tim Fite, verpassten wir gekonnt und kamen genau rechtzeitig zu Bonaparte an. Die Halle war spärlich besucht. 300 bis 400 Zuschauer waren vielleicht da. In einer Halle, die 2.000 Leute fasst, ist das schon luftig. Uns war es recht, so kamen wir nah an die Bühne ran ohne irgendwelches Gedrängel. Live sind Bonaparte ja klasse. Eine kunterbunte Zirkustruppe,  die nicht nur musikalisch, sondern auch optisch was her macht. Mir hatte es vor allem die Lichtshow angetan. Die wäre was für FRONT dachten Johnny Rhabarber und ich. Den Plan, sie nach dem Konzert heimlich abzumontieren vergaßen wir zum Glück recht schnell wieder. Im Auto wäre eh kein Platz gewesen. Musikalisch war es dann nett. Die alten Sachen gefielen mir gut, die neueren meistens nicht.

Auf das Gastspiel der Saigoons im Sabot hatte ich mich sehr gefreut. Ich finde die Band ja klasse. Erfrischender Punkrock, der sich musikalisch den genreüblichen Zuschreibungen gekonnt verwehrt. Gesungen wird zwar meist in Deutsch, Deutschpunk ist es trotzdem nicht. Es hat zwar ein gewisses Garage-Feeling, Garage Punk ist es trotzdem nicht. Den 80er-Jahre-Düsseldorf-Sound hört man zwar auch bei den Saigoons, sie sind trotzdem kein Toten-Hosen-oder-Male-Abklatsch. Dazu wird die Musik von drei supersympathischen Jungs gemacht. Leider war ich an dem Abend einer der ganz wenigen, die das so sehen. Denn insgesamt elf zahlende Gäste, die vornehmlich für die beiden Vorbands Wank for Peace und Prevenge gekommen waren. Die spielten jeweils so einen Holzfällerhemden-Emo-Punk-Sound, der zwar ganz nett anzuhören war, aber doch recht vorhersehbar und langweilig war. Schade, ich hätte den Saigoons mehr Publikum gegönnt.

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Bildungslücke bei der Probe

Mehr Publikum gab es dann am letzten Oktober-Wochenende. Da spielten nämlich Lyvten aus Winterthur in der Räucherkammer. Wem der Name noch nichts sagt, hier Interview lesen. Es handelt sich dabei um die neue Band von Thorsten, dem Sänger der leider schon lange aufgelösten Bubonix. Die meisten Leute kamen zwar für Captain Planet, aber auch schon bei Lyvten war gut was los. Für Bewegung bei der Vorband fand sich das recht studentisch wirkende Publikum wohl zu cool, aber es wurde fleißig mit den Füßen mitgewippt. Die darauffolgenden Havarii fand ich dann nicht so toll. Musikalisch ist dieser Emosound gar nicht meins. Dafür waren die Leute sympathisch, denn anschließend stand ein Teil mit Thorsten, Amy und mir vor dem Backstage-Eingang und trank Pfeffi, während im Hintergrund Captain Planet lärmten. Muss wohl gut gewesen sein, den es kamen kaum Leute zum Rauchen vor die Räucherkammer. Vielleicht waren auch zu wenig Raucher anwesend. Amy und ich verzogen uns dann später noch ins Probehaus, wo Bildungslücke probten. Wir setzten uns dazu und bekamen sozusagen ein Privatkonzert. Ein würdiger Abschluss für einen netten Konzertmonat.

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Written by Falk Fatal

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