„MANCHMAL MÖCHTE MAN NUR VERSCHWINDEN“

GuilioGalaxisINTERVIEW Giulio Galaxis sind die Nachfolgeband von Prinzessin Halts Maul und haben vergangenen Freitag ihr Debütalbum veröffentlicht. Grund genug, Sänger Measy ein paar Fragen zur neuen Band zu stellen.

Die von mir sehr geschätzte Band Prinzessin Halts Maul hat vor einiger Zeit leider das Zeitliche gesegnet. Glücklicherweise haben Measy und Schmitti mit Giulio Galaxis eine neue musikalische Heimat gefunden. Und was Prinzessin Halts Maul nie gelang – eine LP zu veröffentlichen – machen Giulio Galaxis fast direkt vor dem ersten Auftritt. Acht Songs enthält das Debüt des Quintetts aus dem Saarland und Trier. Und was direkt ins Auge fällt, ist der Schriftzug, der derbe an Master of the Universe angelehnt ist.

He-Man, Battlecat, Skeletor oder Man at Arms waren stete Begleiter meiner Kindheit. Deshalb erfreut mich solch eine Spielerei natürlich ungemein. Aber wer zur Hölle ist Giulio Galaxis? Giulio Galaxis scheint so etwas wie der Flash Gordon des Punkrocks zu sein. Zwar kein weltbekannter Polospieler, aber ein Typ, dem die Scheiße auf der Erde nicht mehr gefällt und nun sein Glück im Weltall sucht. Naja, ich finde solch einen Überbau ja immer ein bisschen albern, aber da sich das Thema Flucht so ein wenig durch das Album zieht, passt es dann doch.

Das Thema Flucht findet sich nicht nur im Eröffnungssong wieder, sondern am deutlichsten natürlich im ganz starken „Holiday in Lampedusa“ wieder, aber auch in der Videoauskopplung „Maulwurf“, die manche von euch vielleicht schon kennen. Neben weiteren eher persönlichen Texten gibt es am Ende mit „Offline“ auch noch eine Breitseite gegen Pegida-Rassisten. Sehr schön. Musikalisch sind Giulio Galaxis von Prinzessin Halts Maul gar nicht soweit entfernt. Neunziger Jahre Hardcore, dem man eine Vorliebe für Bubonix nicht absprechen kann, trifft auf Emo-Punkrock der Marke Duesenjaeger, Turbostaat oder Muff Potter. Das klingt alles sehr gefällig und gut und macht Laune auf mehr. Gutes Debüt einer sympathischen Band. Grund genug, Sänger Meays ein paar Fragen zu Guilio Galaxis stellen.

Erzähl mal die Entstehungsgeschichte von Giulio Galaxis?

Prinzessin Halts Maul hatten wir auf Eis gelegt, wegen diverser Schwierigkeiten und weil unser Drummer Stefan damals ausgestiegen ist. In der Phase danach wollen Schmitti und ich weiter machen und waren lange auf der Suche nach einem neuen Schlagzeuger. Während dieser Zeit kamen wir dann mit Shorty in Kontakt. Er, Mike und Freddi machten schon eine Zeit lang Songs zusammen und waren auf der Suche nach einem Sänger und Bassisten. So kam eins zum anderen. Freddi wurde dann 2015 durch Moshe ersetzt.

Was hat es mit eurem Bandnamen auf sich? Der ist für eine Deutschpunkband ja eher ungewöhnlich. Und wer ist Giulio Galaxis?

Wie das bei jeder neuen Band ist, spinnt man anfangs ewig rum, um einen Namen zu finden. Mein Hintergedanke war, mal ganz neu an die Sache ran zu gehen und der Band einfach einen Namen zu geben – ohne Punkbezug, was Namen und Coverartwork angeht. So kann man überraschen. Alex, mit dem ich Kidnap Music betreibe, war davon alles andere als begeistert, weil anfangs ja nicht klar war, ob das nicht vielleicht abschrecken könnte. Bisher waren die Resonanzen durchweg positiv und der Charakter „Giulio Galaxis“ kommt ja auch in einem Song vor. Wir werden das vielleicht weiter ausbauen.

Das Cover eures Album erinnert sehr an den Schriftzug von Masters of the Universe. Seid ihr Fans?

Ich hatte als Kind fast alle der ersten Serie und ich finde die heute noch super.

Euer Debütalbum kam fast zeitgleich mit eurem ersten Auftritt heraus. Das ist ja eher ungewöhnlich. Sonst spielen Bands erst etliche Konzerte, bevor sie ins Studio gehen. Warum war das bei euch anders?

Wir haben gleich so gut zusammen gespielt, dass wir recht schnell eine ganze Menge Songs gemacht haben. Dann kam noch der Umstand, dass wir nur diesen frühen Studiotermin bekamen und einfach zugesagt haben. Die Labelsuche war bei uns nicht so schwer, da ich ja mit Alex von PASCOW zusammen Kidnap Music mache.

Das Thema „Flucht“ scheint sich – wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven – wie ein roter Faden durch das Album zu ziehen. War das geplant oder hat sich das beim Schreiben der Texte einfach so ergeben?

Geplant war das nicht. Wenn ich Texte schreibe, hat in der Regel das aktuelle Weltgeschehen oder mein persönliches Empfinden einen großen Einfluss auf die Texte. Wenn man sich mal zurückzieht und die aktuellen Geschehnisse weltweit aus der Entfernung betrachtet, möchte man manchmal einfach nur verschwinden. Es ist eine regelrechte Reizüberflutung an schlimmen Dingen und ich fühle mich da manchmal tatsächlich überfordert.

Flucht hat ja auch immer etwas Resignatives. Aus den unterschiedlichsten Gründen merkt man, dass es an einem Ort nicht weitergeht und flüchtet. Spielt ihr häufiger mit Fluchtgedanken oder habt damit gespielt?

Wie oben schon gesagt, habe ich manchmal das Gefühl, dass ich einfach nur weg möchte. Das geht natürlich in der Regel nicht so einfach. Der Song „Keine Palmen in der Heimat“ spricht das Thema an. Man hat Angst neue Dinge anzupacken, weil man denkt, man wäre der aktuellen Situation oder dem Ort auf ewig verpflichtet. Man sollte versuchen, sich davon zu lösen und mal was wagen.

Zu guter Letzt: Wie sehen eure Pläne aus? Was dürfen wir von Giulio Galaxis in Zukunft noch erwarten?

Ich muss sagen, dass ich schon etwas erschrocken bin, wie gut jetzt beim Start alles gelaufen ist. Wir wollen jetzt ein paar wenige Konzerte spielen und Richtung Herbst etwas mehr auf die Piste. Wir freuen uns auf jeden Fall, dass alles so gut angelaufen ist, und sind motiviert für mehr.

Vielen Dank für das Interview!

Übrigens bietet die Band ihren schon erwähnten Song „Offline“ zum Benefiz-Download für Pro Asyl an. Der Song kostet einen Euro oder mehr. Das Geld geht komplett an Pro Asyl. Giulio Galaxis schreiben dazu:

GIULIO GALAXIS als Band hat einen großen gemeinsamen Nenner: Wir sprechen uns deutlich gegen Rassismus, Fremdenhass und die Ausgrenzung von Minderheiten aus.

Bewegungen wie PEGIDA und deren Ableger wollen wir nicht dulden. Anhänger dieser Bewegungen sind nicht das Volk und es darf ihnen keine Plattform geboten werden um ihre fremdenfeindlichen und völkischen Ideologien zu verbreiten.

Wir heißen Flüchtlinge in unserem Land herzlich willkommen und sind froh, dass es noch Menschen gibt, die sich für sie stark machen und sich Fremdenhass und Rassismus in den Weg stellen.

Wir bieten Euch den Song „Offline“, der sich mit dieser Thematik beschäftigt, zum Download an und werden den kompletten Erlös an ProAsyl spenden.

Für den Download könnt ihr einen Euro oder mehr bezahlen und wir würden uns freuen, wenn dabei ordentlich was rum kommt.

Und hier geht`s zum Download.

„s/t“ ist bei Kidnap Music erschienen

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Written by Falk Fatal

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