3 AKKORDE MIT: Idle Class

Willkommen zu einer neuen Trashrock-Rubrik: 3 Akkorde mit… Hier werden wir künftig kurz & knapp interessante Bands ausquetschen. Den Anfang machen Idle Class, die kürzlich mit „Of Glass and Paper“ ihr zweites Album veröffentlicht haben. Auf diesem spielen sie eine mitreißende Melodic-Punk-Mischung aus Klängen von Fat Wreck Chords-Evergreens und Run For Cover Records-Neuklassikern. In Deutschland gibt es in diesem Genre zurzeit keine bessere Band.

Ich „störe“ hier mitten in eurer Tour zum neuen Album, die euch mit Idle Class einmal quer durch Schland treibt. Wo seid ihr, wie war es bisher und wie war vor allem eure Releaseshow?

Wir feiern gerade Bergfest auf dem Weg von Leipzig nach Zittau, die Hälfte haben wir also hinter uns gebracht! Bisher war die Tour erfolgreich und anstrengend zugleich; die Resonanz die wir bekommen ist herzerwärmend. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, wenn fremde Menschen in fremden Städten Textzeilen mitsingen können, sich für unsere Band interessieren oder einfach zum Feiern auf unsere Shows kommen. Das rechtfertigt jede Art von Anstrengung auf Tour: Wenig Schlaf, wenig Privatsphäre, Heimweh & Sehnsucht.

Die Releaseshow im Gleis22 in Münster war überwältigend für uns! Wir – und natürlich all unsere lieben Partner – haben das ganze Jahr damit verbracht dieses Album „zu gebären“, da baut sich natürlich eine Menge Druck auf. Dieser Knoten ist an dem Abend definitiv geplatzt, haha! So viele lachende und feiernde Gesichter auf einem Haufen – da kann man lange von zehren.

Ihr geht sehr bedacht an Songs ran und auch die zweite Scheibe ist von Anfang (Produktion, Mix, etc.) bis Ende (Artwork, Vinyl, etc.) ideal. Schnelles, wildes Gehacke und Basteln mit Stolperfallen, scheint nicht euer Ding zu sein. Was reizt euch an der Rundum-Perfektion?

idleclass_coverTatsächlich passiert vieles von den genannten Dingen sehr organisch und intuitiv bei uns. Ich denke das Stichwort ist Teamwork: Jeder von uns kennt seine Stärken und Schwächen und kann diese gut einbringen, lässt aber auch den anderen den nötigen Freiraum. Der eigentliche Reiz liegt also darin, seine Aufgaben zur eigenen Zufriedenheit zu erledigen. In der Summe ergänzt sich das zu einem Ding, mit dem wir aktuell mehr als zufrieden sind!

Das lässt sich gleichermaßen auf Dinge wie Songwriting, Produktion, Artwork und Veröffentlichung wie auch auf Booking und Organisation beziehen. Während Benny Texte schreibt und eine Songideen-Maschine ist, arbeitet Stefan inzwischen bei Muttis Booking, ich (Josua) betreibe mit Homesick Merch ein Design & Merchlabel, während Tobi alle administrativen Tätigkeiten regelt; das ergänzt sich natürlich alles sehr gut. Allerdings sind wir in diese Aufgabenverteilung hineingestolpert, haha!

Wie sieht das in euren jeweiligen Privatleben aus? Sind da auch alle sehr strukturiert und aufgeräumt oder wer ist der Pappenheimer, den man ständig zur Räson bringen muss?

Da die Band inzwischen schon sehr viel Zeit für sich beansprucht, muss man natürlich auch privat gut genug strukturiert sein, um das überhaupt stemmen zu können! Sicher trifft das nicht auf alle gleichermaßen zu; der Student hat unter’m Strich natürlich mehr Freiräume als der Selbstständige. In beiden Fällen ist aber gute Organisation unverzichtbar wenn man noch genug Zeit für unsere Freundinnen und Jobs übrig bleiben soll …

Von Punkbands werden immer politische Statements oder Lieder erwartet. Damit glänzt ihr nicht gerade. Warum denn nicht, findet ihr etwa das ist nicht zwangsläufig nötig?

Tatsächlich geht es in unseren Liedern häufiger um persönliche Dinge als um politische Statements – was auf gar keinen Fall heißen soll, das wir keine klare Meinung zum gesellschaftlichen Geschehen haben! Die Idee ist, dass sich aus unseren eher philosophischen Texten eine Grundhaltung ablesen lässt: Wir fühlen uns als Außenseiter in dieser Gesellschaft und können uns mit vielen Dingen weder identifizieren noch abfinden; Daraus resultiert in der Konsequenz auch eine Botschaft: Wir folgen unseren eigenen Vorstellungen und Träumen, achten in allen Lebensbereichen auf Geradlinigkeit – egal ob es dabei um die Berufswahl, Ernährung oder Freundschaften geht. Wir hinterfragen uns selbst und versuchen das Leben kritisch zu sehen und ich denke das spiegelt sich auch in unseren Lyrics wieder. In der Essenz kann man sagen, dass wir ungern den Zeigefinger erheben wollen, wenn es Menschen gibt die politische Themen viel besser und kompetenter behandeln können – von denen holen wir uns die nötigen Anstöße. Natürlich ist Musik ein Sprachrohr und man sollte die Chance gehört zu werden auch für die richtigen Dinge nutzen: Es ist wichtig „die Fackel weiter zu reichen“ und auch gerade jüngeren Menschen einen Anstoß zu einer Kritischen Weltanschauung zu liefern. Zwar lesen sich unsere Texte häufig als „Liebeslieder“ oder das übliche „Generation-Y-ist-orientierungslos-Ding“, allerdings versuchen wir auch vorzuleben, wie es anders geht: Betreibt eure Hobbys mit aller Ernsthaftigkeit! Gründet kleine, geile Firmen! Glaubt an euch! Hinterfragt euch! Zwischendurch mal ein bisschen rumheulen, aufstehen, weitermachen! Achtet auf eure Freunde! Liebe! Ich denke so lässt sich diese Welt zum Besseren verändern.

Danke für das Interview.

Die Fragen stellte Bocky, die Antworten gab Josua von Idle Class

Foto von Fabian Hoffmann

„Of glass and paper“ ist bei Uncle M Music erschienen

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Written by Bocky

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