Sven Kiesche-Euter – KERNWELT Band 1 – Der Tanz beginnt Buch

Sven Kiesche-Euter hat versucht, einen Fantasy-Roman zu schreiben, der die Punkethik an Außenstehende weitergibt und dabei eine gute Geschichte erzählt. Dass ist ihm mit ganz kleinen Abstrichen gelungen.

Ich habe es ja nicht so mit Fantasy. Klar, Game of Thrones finde ich eine klasse Serie, die ich mir gerne anschaue. Als Kind habe ich eine zeitlang gerne Rollenspielbücher wie “Der Einsame Wolf” gelesen. Aber das war es dann schon mit meiner Fantasy-Erfahrung, was auch der Umstand zeigt, dass mir erst nach der zweiten oder dritten Staffel bewusst wurde, dass Game of Thrones eigentlich eine Romanreihe ist. Und das ganze Mittelerde-Gedöns vom Herr der Ringe hat mich als Buch genauso wenig interessiert wie als Film. Ich bin demnach nicht gerade prädesdiniert einen Fantasy-Roman zu reviewen. Doch dank meiner frühkindlichen Prägung, wird im Hause Fatal besprochen, was auf den Tisch kommt – auch wenn es manchmal etwas länger dauert.

kernweltKommen wir also zu Band 1 der Kernwelt-Trilogie von Sven Kiesche-Euter. Die Geschichte spielt in einer entfernten Zukunft, in der unser Zeitalter nur noch als Anfangsjahrtausend bekannt ist. Eine nicht näher erklärte, von Menschen herbeigeführte Katastrophe, hat die Gesellschaft auf ein mittelalterliches Know-How zurückgeworfen. Was von der Erde noch übrig ist, wird seitdem Kernwelt genannt. Doch das einst so reichhaltige wie gefährliche technische Wissen ist mit der Katastrophe nicht gänzlich verloren gegangen. Es wurde in einer Lade versteckt, in der Hoffnung, dass irgendwann klügere und reifere Lebewesen sich dieses Wissen zum Wohle aller zu Nutzen machen. Doch ihr kennt das, Murphys Gesetz, was schief gehen kann, geht schief: Die bösen Terwock, deren Gesellschaft faschistisch organisiert ist, entdecken die Lade und wollen das Wissen nutzen, um die übrigen Völker Kernwelts zu  unterjochen. Glücklicherweise bekommen die Freunde des Eurun Wind von den perfidien Plänen der Terwock. Sie machen sich auf, um die Lade zu stehlen und so die Terwock an der Ausübung ihres Plan zu hindern.

So weit so gut, das Grundsetting der Geschichte ist für einen Fantasy-Roman nicht ungewöhnlich. Was Kernwelt aber von anderen Fantasy-Romanen unterscheidet, ist der Autor. Sven Euter-Kiesche ist seit Mitte der 1980er Jahre Punk und vor allem in Lübeck schwer aktiv. Und so soll Kernwelt nicht nur unterhalten, sondern auch linksuatonome und individual-eigenverantwortliche Denkweisen transportieren, um – wie er selbst sagt – vom “preaching to the converted” wegzukommen. Kernwelt ist sozusagen ein Trojanisches Pferd, um auch Menschen außerhalb der Szene mit anderen, besseren Lebenseinstellungen zu konfrontieren und vielleicht so zum Nach- und Umdenken zu bringen. Das ist auf jeden Fall ein hehres Anliegen. Ich hätte nichts dagegen, wenn Sven damit Erfolg hat.

Dieser linke Punk-Background zieht sich dann auch konsequent durch das Buch. Sei es, dass der Hauptprotagonist sehr gerne sein Pfeifchen mit Zerr-Dorn (das bestimmt eine ähnliche Wirkung wie Marijuhana hat) raucht oder nach einer durchzechten Nacht auch schon einmal längere Zeit über der Schüssel hängt und sich die Eingeweide auskotzt. Auch wird immer wieder die anarchistische Lebensweise positiv hervorgehoben und die Helden haben zum Beispiel keinen wirklichen Anführer, der ihnen sagt, was sie machen sollen.

Allerdings trägt mir Sven an manchen Stellen zu dick auf oder besser gesagt, etwas zu langatmig. Er verliert sich immer wieder in philosophischen Monologen oder Dialogen, die sich über mehrere Seiten ziehen und die mich recht schnell ermüden. Ich weiß, warum er das so gemacht hat, aber es wäre besser gewesen, diese Stellen kürzer zu halten. Man kann eine Person auch durch ihre Handlungen charakterisieren und nicht nur durch ihre Gedanken und Erzählungen. Das wäre für den Lesefluss sicher besser gewesen.

Das wäre es aber auch schon, was ich an Kernwelt auszusetzen habe. Das Buch liest sich ansonsten gut. Klar, die Geschichte braucht ein wenig bis sie sich entfaltet, aber Kernwelt ist ja auch auf drei Bände mit insgesamt rund 1.500 Seiten angelegt. Und obwohl die Geschichte sich schnell in verschiedene Handlungstränge aufsplittet, bewahrt Sven den Überblick und erzählt gekonnt die Geschichte seiner Helden. Mir als Fantasy-Muffel hat das Lesen Spaß gemacht und ich werde mir bei Gelegenheit auch noch Band 2 und 3 zu Gemüte führen. Wer mit Fantasy also etwas anfangen kann, sollte hier zugreifen.

“Kernwelt Band 1 – Der Tanz beginnt” ist wie die beiden Fortsetzungen bei Amazon oder direkt beim Aavaa Verlag erhältlich. Der Preis beträgt jeweils 9,95 Euro.

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Written by Falk Fatal

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