Gig-Bericht: Poison Idea und Berlin Blackouts

Sonntags-Konzerte sind einfach nicht cool. Also egal, ob man montags zur Maloche muss oder nicht. Von jeher war der Tag für mich ab 18 Uhr daheim in den eigenen vier Wänden gebucht. Keine Ahnung warum das so ist, aber es ist eine meiner Regelmäßigkeiten, mit denen ich sehr gut zurecht komme.

Am Sonntag den 3. April locken mich jedenfalls Poison Idea vor dir Butze, weil ich sie letztes Jahr auf ihrer Tour nicht gesehen habe und den Festivalauftritt, wo ich sie unbedingt sehen wollte, den haben sie wegen bandinterner Probleme abgesagt. Was genau los war, wusste man nicht und auch nicht, wie lange es dauern würde, bis die HC-Veteranen aus Portland wieder über den Atlantik schaffen, bzw. ob überhaupt jemals wieder. Entsprechend überrascht und überaus erfreut hörte ich von der jetzigen Tour.

Poison Ideas schickes Elvis-Tourplakat

Poison Ideas schickes Elvis-Tourplakat

Der verkaterte Support

Während ich vor der Alten Hackerei rumhänge und mir von Bekannten vorschwärmen lasse, dass sie nach der Show einfach in ihr Wohnmobil plumpsen, legt drinnen der Radio-Dead-Ones-Nachfolger Berlin Blackouts los. Von außen klingt das verlockend, weshalb ich mich auf später vor der Bühne verabschiede und mich direkt dort hinbegebe. Der Sound ist warm und insgesamt nicht zu laut, alles recht angenehm für so nen Sonntag-Abend. Nach zwei bis drei Songs merkt Sänger John gleich, dass er heute niemanden zum Ausflippen und maßlosen Saufen animieren kann. Er selbst hingegen gibt an, heller als die Lampen auf der Straße zu leuchten. Im weiteren Verlauf macht das auf mich den Eindruck, dass dies aber keine neu aufgebauten Promille sind, sondern die vom Tag zuvor gehalten werden. Sehr schön, eine Band, die ihrem Namen gerecht wird. Wobei nicht ganz sicher ist, ob Sänger John wirklich Freude daran hat. Der längst eingesetzte Kater macht ihm sichtlich keinen Spaß. Der klebrige Speichel, den er hin und wieder auf den Bühnenboden rotzt, scheint der Beweis dafür zu sein. Trotzdem ist es ne echt gute Show, die die vier Berliner spielen. Völlig eingängiger Punkrock im Stile von Social Distortion. Ich bin ziemlich selig und angetan von der BBs und freue mich schon auf ein Wiedersehen.

Die Berlin Blackouts, ein klassisches Punk-Outfit

Die Berlin Blackouts, ein klassisches Punk-Outfit

Poison Idea sind jetzt Straight Edge

Von der Vorband aufgewärmt, stehe ich erneut plaudernd, rauchend und trinkend vor der Alten Hackerei. Doch aufgekratzter als noch eine Dreiviertelstunde davor – von einem Bein auf das andere wechselnd, lustvoll an der Kippe ziehend und willig noch zwei bis sieben Bier zu köpfen. Auch das sich verfestigende Gerücht Jerry A würde keinen Alkohol mehr trinken, nimmt mir nichts von meiner Vorfreude. Weil, soll er doch, schließlich hat er sicher bereits für mehrere Leben alles in sich reingeschüttet und -gestopft, was nicht nigelnagelfest war. Die Abstinenz – ich gehe einfach mal von Drogen und Alkohol aus – sieht man dem nach wie vor bulligen Frontmann der Portland-Legende deutlich an. Er wirkt frischer und hat Kilos verloren, viele Kilos. Der Druck und die Intensität der Lieder muss darunter glücklicherweise nicht leiden. Denn ebenso wie Jerry A die Masse seines Körpers in brachiale Gewalt umsetzt, die dem Mikro den feinmaschigen Draht verbiegt, so sorgen die Kerle an den Instrumenten für die entsprechend heftige Soundwand, gegen die man sich im 30°-Winkel stemmen muss. Das Set geht ab, das Publikum dankt es der Band in Form einer wilden Pogomeute. Es wird ordentlich geschubst, gerangelt, verschiedene Circle-Pit-Versuche gestartet. Die Stimmung ist bestens – „Feel The Darkness“, „Plastic Bomb“, „Taken By Surprise“ oder auch „Bog“, alles ist dabei. Besser wäre sie wohl bloß an einem Freitag oder Samstag, wenn alle den Tag später frei hätten. Dann hätte man sicher wieder den ein oder anderen Crowdsurfer über sich begrüßen dürfen. Einen Wermutstropfen zu vergießen gibt es aber: Zwischen den Liedern bricht immer wieder die aufgebaute Stimmung in sich zusammen. Der Grund dafür sind die Verschnaufpausen und Jerry A’s sich wiederholenden Hinweise darauf, dass er keinen Alkohol mehr trinkt. Das nervt mich zwar ein bisschen, aber soll er mal machen, doch hoffentlich ist das auf der nächsten Tour nicht mehr so wichtig.

Immernoch ein kräftiges Brett, bloß die Wein zu Wasser Predigten brauch niemand

Immernoch ein kräftiges Brett, bloß die Wein zu Wasser Predigten braucht niemand

Taken By Surprise mit einleitenden Worten von Pig Champion:

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Written by Bocky

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