FALK FATALS KLEINE SINGLE PARTY

singleparty KopieLoaded, Inner Conflict, Canyoucancan und Opiliones haben neue 7”s am Start. Grund genug, die kleinen Scheiben einem ausführlichen Test zu unterziehen.

Es gibt ja diese Musiknerds, die über jede Band Bescheid wissen, alles kennen und dann mit Kennerblick immer behaupten: “Früher waren die besser”. Ich muss gestehen, ich gehöre manchmal auch zu dieser Spezies. Und es gibt wirklich Bands, bei denen waren die ersten Platten deutlich besser als alles was danach folgte. Zu diesen Bands gehören Loaded aus Mannheim definitiv nicht! Bei dem Trio verhält es sich eher wie bei einem guten Wein, der mit den Jahren reift und geschmackvoller wird. Fand ich LOADED früher immer ganz nett, aber auch langweilig, haben sie spätestens mit ihrem Album “Bloodshot Forget-Me-Nots” die Kurve gekriegt und mich vollkommen überzeugt. Jetzt, pünktlich zum 20-jährigen Bandjubiläum (Herzlichen Glückwunsch!), veröffentlichen Loaded eine neue Single, die ein tolles Siebdruck-Cover, vom Grafikartist Götzilla entworfen, ziert. Die 7” enthält zwei neue Songs, “Can’t Stop, Won’t stop” und “The Everlasting Minute”, die die typischen Loaded-Bestandteile enthalten: etwas Offbeat, eine eingängige Melodie und einprägsame Chöre. Zwei Songs, zweimal gelungener Streetpunk. Einziges Manko: der Spaß ist viel zu schnell vorbei. Hoffentlich kommt bald ein neues Album. Ach ja, wer diese feine 7” in rotem Vinyl haben will, sollte sich beeilen. Die Single ist auf 300 Stück limitiert.

 

INNER CONFLICT gibt es fast genauso lang wie Loaded (oder sogar länger?). “Don’t call us – we’ll call you” ist die zweite Veröffentlichung der Kölner Band, die mit einem echten Schlagzeuger eingespielt worden ist. Ich finde ja, das steht ihnen gut. Mir gefielen zwar auch die alten Alben mit Drumcomputer gut, aber mit Schlagzeuger Ballo hat der Sound von Inner Conflict an Dynamik gewonnen und klingt nicht mehr so mechanisch wie früher. Die 7” enthält vier neue Songs, die musikalisch keine Wünsche offen lassen. Melodischer HC-Punk, der sich durch den Gesang von Jenny deutlich von der Masse abhebt. Textlich geht es dieses Mal (so kommt es mir zumindest vor) weniger offensichtlich politisch zu, stattdessen regiert der Alltagsfrust über High-Society-Künstler-Wanna-be’s, Protzkarren und -mountainbikes in der Innenstadt oder die ach so kreative Start-up-Szene, die darauf hofft das neue Facebook zu entwickeln. Wobei das natürlich schon politisch ist, aber weniger plakativ. Wie auch immer: mir gefällt’s. Inner Conflict können gerne so weitermachen!

 

Wer sich in den vergangenen 20 Jahren mit Ska aus Deutschland beschäftigt hat, wird unweigerlich auf Frau Doktor gestoßen sein. Die Wiesbadener Ska-Truppe um Mastermind Üni Erler veröffentlichte zahlreiche tolle Alben und war auf den Bühnen Europas zuhause. Vor einigen Jahren löste sich die Band leider auf. Ein Teil der damaligen Besetzung wollte aber nicht einfach die Füße ruhig halten, holte sich ein paar Musiker und Musikerinnen aus Wiesbaden hinzu und so gründeten sich CANYOUCANCAN. Wieder mit Üni am Gesang, musikalisch jedoch eher dem Northern Soul zuzuordnen. Soul mit Beat, Blech und Orgel heißt es dazu im passend im Bandinfo. Es geht um Mod, Vespas, Pillen, Getränke, gutes Aussehen, Langbinder und natürlich Tanzen. Denn zum Tanzen eignen sich beiden die Songs, die mit flotten 45 Umdrehungen laufen, ausgezeichnet. Der Titeltrack geht sofort in die Beine, besticht durch seine eingängigen Melodien, dem Uptempobeat und hat eine Menge Herzschmerz. Die Flipside “Secret Agent Girl” gefällt durch die Anlehnung an die Titelmelodie von Danger Man und dem etwas raueren Gesang von Gitarrist Marc, der Üni für diesen Song in den Background verdrängt. Aber auch das ist ein schmissiger Soulfeger. Mittels beiliegendem Downloadcode gibt es mit “Simple Man” dann noch einen dritten Song, der durch Andi Ehrengards Mandolinenmelodie getragen wird. Auch dieser Songs ist eine schöne Nummer, zu der man auf der Tanzfläche schön dummherum wackeln kann. Canyoucancan machen auf ihrer Debüt-Single alles richtig. Tolle Scheibe! Nächstes Jahr soll das Debütalbum folgen. Ich freue mich darauf!

 

Erst kürzlich veröffentlichten OPILIONES aus dem bayrischen Aschau mit “the heart of a harvest man”  ihr sehr gelungenes Debütalbum. Nun folgt mit “constant doubt” Nachschub in Form einer hübschen 7”. Mangelnde Arbeitsmoral kann man dem Trio also wahrlich nicht vorwerfen. Sieben neue Songs enthält die Single und wer schon das Debütalbum mochte, kommt auch hier voll aus seine Kosten! Sieben düstere, eindringliche und packende Punkrocksongs voller Melancholie und Wut, die an Wipers und Hot Snakes erinnern, diese aber nicht kopieren. Besonders “Less than nothing” und “Igor” gefallen mir sehr gut. Aber auch die anderen fünf Songs sind klasse und so bleibt nur festzustellen: “Constant doubt” ist eine gelungene 7”, die das eh schon gute Debütalbum nochmal toppt. Yeah!

 

LOADED – can’t stop, won’t stop 7″ ist bei Rookie Records erschienen

INNER CONFLICT – don’t call us – we’ll call you 7” ist bei Antikörper Export und Jean Claude Madame erschienen

CAN YOU CAN CAN – Step by Step 7” ist bei Bakraufarfita Records und Rookie Records erschienen

OPILIONES – constant doubt 7” ist bei der Band erhältlich

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Written by Falk Fatal

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