DEUTSCHPUNKLEGENDE AUF LESETOUR: SLIME IM SCHLACHTHOF

Bild: Falk Fatal

Lesung und Akustikkonzert mit Slime. Kann das gut gehen? Ja, es kann, wie der vergangene Mittwoch gezeigt hat.

Dass es die Bandgeschichte von Slime mittlerweile als dickes Buch gibt, habe ich erst vor kurzem mitbekommen. Ebenso, dass die band dafür mit Autor auf Lesereise geht und auch Halt in Wiesbaden macht. Aber man ist ja spontan und so fand ich am Mittwoch gegen 20.30 Uhr im Schlachthof wieder. Mit mir waren rund 140 Leute anwesend, die dem Spaß beiwohnen wollten. Erstaunlicherweise kaum bekannte Gesichter, dafür kratzte der Altersschnitt an der 40.

Die Lesung war in vier Teile gegliedert. Zunächst las der Autor des Buches, Daniel Ryser, etliche Passagen aus dem Buch vor. Das machte er zum Teil etwas schnell. Bisweilen klang es so, als stünde ein Poetry Slammer auf der Bühne, der die herunterlaufende Zeit deutlich im Nacken spürt und deshalb versucht, besonders schnell vorzutragen. Aber immerhin tat er das ohne Haspler oder Verleser, sodass man ihm doch recht gut folgen konnte. Allerdings wäre etwas mehr Moderation zwischen den Buchpassagen gut gewesen. Ich glaube nicht, dass das Publikum zu jeder Zeit wusste, um wen es gerade ging oder welche Bandphase die Passage behandelte.

Daran folgte eine kleine Fragerunde mit Ryser und den mitgereisten drei Ur-Bandmitgliedern Elf, Dirk und Christian. Hier gefiel vor allem Sänger Dirk mit einigen deutlichen Ansagen, etwa zur Gewalt gegen Nazis. Kann ich voll und ganz unterschreiben. Endlich mal jemand, der da nicht herumdruckst und von Jugendsünden spricht und der es heute auf gewaltfreiem Weg versuchen würde, die Nazis aus dem Kiez zu bekommen, sondern der klar sagt: „Als Ultima Ratio ist Gewalt auch heute noch ein Mittel gegen Nazis.“

Dann folgte für einige der Zuschauer der Höhepunkt des Abends, zumindest aber für den besoffenen Altpunk, der während der Lesung immer nur krakeelte, dass er jetzt „Mucke hören will“: Elf, Dirk und Christian spielten ein kurzes Akustikset von sieben Liedern quer aus allen Schaffensphasen der Band. Darunter „Gewalt“, zwar arg pathetisch, aber immer noch einer meiner Lieblingssongs der Schweineherbst, „Zweifel“, „ACAB“, ein Song von der neuen Platte und natürlich zum Abschluss „Deutschland muss sterben“.

Daniel Ryser las danach noch eine kurze Passage vor und machte praktisch den Rausschmeißer. Schön auch, dass sich Elf, Dirk, Christian und Daniel Ryser im Anschluss nicht einfach in den Backstage verkrochen, sondern noch ins Publikum begaben, um dort das ein oder andere Bier zu trinken. Insgesamt ein sehr schöner Abend!

Einziger Wehmutstropfen: Es gab keine Bücher zu kaufen. Eigentlich sollte eine Buchhandlung den Verkauf organisieren, aber die hat wohl kurzfristig abgesagt und so gab es nix zu kaufen. Ich denke, an dem Abend wären einige Bücher verkauft worden. Aber das ist ja irgendwie auch Punk.

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Written by Falk Fatal

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